Meine Wette auf die Zukunft – Warum ich überzeugt bin, dass spätestens 2029 autonome Lkw in Deutschland im Regelbetrieb fahren werden
Am 21. April 2024 habe ich mit einem Speditionsunternehmer eine Wette abgeschlossen.
Meine Behauptung war einfach:
Spätestens am 21. April 2029 wird der erste fahrerlose Lkw im gewerblichen Regelbetrieb auf deutschen Straßen unterwegs sein.
Dabei geht es nicht um einen Versuch, eine Vorführung oder eine Testfahrt. Ich spreche von einem Lkw, der ohne Fahrer an Bord im regulären Güterverkehr eingesetzt wird – zugelassen, versichert und wirtschaftlich betrieben.
Seitdem werde ich immer wieder gefragt:
„Glaubst du wirklich, dass das so schnell kommt?“
Meine Antwort lautet eindeutig: Ja.
Nicht, weil ich an Wunder glaube.
Sondern weil ich die Entwicklungen in der Transportlogistik seit vielen Jahren beobachte und überzeugt bin, dass wir an einem Wendepunkt stehen.
Es geht nicht darum, Fahrer zu ersetzen
Wenn über autonome Lkw diskutiert wird, hört man fast immer denselben Satz:
„Dann brauchen wir ja keine Fahrer mehr.“
Ich halte das für einen Denkfehler.
Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen.
Es geht darum, ein System zu verbessern.
Schon heute fehlen in Deutschland Tausende Berufskraftfahrer. Viele Transporte können nur mit großem Aufwand durchgeführt werden oder bleiben sogar liegen, weil schlicht Personal fehlt.
Das eigentliche Problem sind also nicht die Fahrzeuge.
Das Problem ist ihre Verfügbarkeit.
Der größte Engpass steht nicht auf dem Hof
Ein moderner Fernverkehrs-Lkw ist eine hochproduktive Maschine.
Trotzdem steht er viele Stunden am Tag still.
Nicht weil er kaputt ist.
Nicht weil keine Ware vorhanden ist.
Sondern weil gesetzliche Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden müssen, Fahrer an Be- und Entladestellen warten oder Touren unterbrochen werden.
Das ist völlig richtig und dient der Sicherheit.
Aus Sicht der Logistik bedeutet es aber gleichzeitig, dass ein sehr teures Betriebsmittel einen großen Teil seiner Zeit nicht genutzt wird.
Genau hier setzt autonomes Fahren an.
Nicht beim Personalabbau.
Sondern bei einer deutlich besseren Auslastung des Fahrzeugs.
Der Fahrer bleibt – aber seine Aufgabe verändert sich
Ich bin überzeugt, dass der Beruf des Fahrers nicht verschwinden wird.
Er wird sich verändern.
Die Langstrecke auf der Autobahn ist vergleichsweise gut planbar und damit der ideale Einsatzbereich für autonome Systeme.
Ganz anders sieht es beim Rangieren auf Betriebshöfen, an Verladerampen, auf Baustellen oder in Innenstädten aus.
Dort werden Menschen noch lange unverzichtbar bleiben.
Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass künftig sogenannte Übergabepunkte entstehen.
Ein Fahrer bringt den Auflieger zu einem Logistikzentrum.
Von dort übernimmt ein autonomer Lkw die Fernstrecke.
Am Ziel übernimmt wieder ein regionaler Fahrer die letzte Meile bis zum Kunden.
Das hätte einen großen Vorteil:
Viele Fahrer könnten täglich nach Hause zurückkehren, anstatt mehrere Tage oder sogar Wochen unterwegs zu sein.
Der Beruf würde dadurch deutlich attraktiver.
Die Technik ist nicht das eigentliche Problem
Viele glauben, dass autonome Lkw noch an der Technik scheitern.
Ich sehe das anders.
Die Fahrzeuge werden technisch immer leistungsfähiger.
Die eigentliche Herausforderung liegt heute an anderer Stelle.
Damit fahrerlose Lkw im Regelbetrieb unterwegs sein können, müssen vier Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:
Das Fahrzeug muss rechtlich zugelassen werden.
Die Haftung im Schadensfall muss eindeutig geregelt sein.
Versicherungen müssen das Risiko bewerten und absichern können.
Behörden müssen überzeugt sein, dass das System mindestens so sicher ist wie der heutige Straßenverkehr.
Erst wenn diese vier Punkte gelöst sind, wird aus einer technischen Möglichkeit ein wirtschaftlicher Alltag.
Warum ich an den schnellen Durchbruch glaube
Viele technische Entwicklungen verlaufen nach demselben Muster.
Der erste Schritt dauert lange.
Ist dieser Schritt geschafft, entwickelt sich der Markt häufig deutlich schneller als erwartet.
Ich glaube, dass genau das auch bei autonomen Lkw passieren wird.
Sobald der erste fahrerlose Lkw zuverlässig und wirtschaftlich im Regelbetrieb fährt, wird sich zeigen, welches Potenzial in dieser Technologie steckt.
Dann geht es nicht mehr um Visionen.
Dann geht es um Wirtschaftlichkeit.
Speditionen investieren dort, wo Prozesse sicherer, zuverlässiger und effizienter werden.
Und genau das können autonome Fernverkehrssysteme leisten.
Warum wir diese Entwicklung brauchen
Für mich geht es bei autonomen Lkw nicht um Technik.
Es geht um Versorgungssicherheit.
Unsere Wirtschaft ist darauf angewiesen, dass Waren zuverlässig transportiert werden.
Wenn künftig immer weniger Fahrer zur Verfügung stehen, müssen wir neue Lösungen finden.
Autonome Lkw sind aus meiner Sicht keine Konkurrenz zum Menschen.
Sie sind eine notwendige Ergänzung, um den Güterverkehr auch in Zukunft zuverlässig aufrechterhalten zu können.
Meine Wette bleibt bestehen
Ich bin überzeugt, dass wir den ersten fahrerlosen Lkw im gewerblichen Regelbetrieb auf deutschen Straßen spätestens am 21. April 2029 sehen werden.
Vielleicht zunächst nur auf einer festen Strecke zwischen zwei Logistikzentren.
Vielleicht nur auf wenigen Kilometern.
Doch genau darum geht es.
Nicht um die Länge der Strecke.
Sondern um den Moment, in dem aus einer technischen Möglichkeit ein zugelassener, versicherter und wirtschaftlicher Regelbetrieb wird.
Ich freue mich auf diesen Tag.
Nicht, weil ich dann eine Wette gewonnen habe.
Sondern weil er den Beginn einer neuen Ära der Transportlogistik markieren wird.
Und ich bin überzeugt: Wenn dieser erste Schritt geschafft ist, wird sich unsere Branche schneller verändern, als viele heute noch glauben.

